Bei den Roten alles im grünen BereichBei den Roten alles im grünen Bereich

SPD-Ortsbezirk: Hauptversammlung in vollster Harmonie – Parteiaustritte in Heppenheim halten sich in Grenzen

HEPPENHEIM. Schadenfreude kam wirklich nicht auf, als die Heppenheimer Sozialdemokraten dem ECHO vom 28. Februar entnehmen mussten, dass ihren Parteifreunden aus Bensheim in den verflossenen sechs Jahren einhundert Mitglieder abhanden gekommen sind. Von einem so gewaltigen Aderlass blieben die Genossen aus der Kreisstadt verschont. Verluste hielten sich in Grenzen, waren von eher marginaler Bedeutung. Abgänge konnten weitgehend kompensiert werden.

Rechner Heinz Leib listete bei der Hauptversammlung, zu der am Mittwoch ins Hotel-Restaurant „Schlossberg“ eingeladen worden war, genau auf und kam auf exakt 121 „Zahlende“. Diese Zahl bezieht sich freilich nur auf den Ortsbezirk Heppenheim. Dem Ortsverein, zu dem quasi als Dachverband auch die Stadtteilgliederungen zählen, gehören plus, minus zweihundert Genossen an. Zum Vergleich: Bensheim (gesamt) bringt es auf gerade mal 254 SPD-Mitglieder. Damit steht, gemessen an der Größe beider Städte, Heppenheim relativ gut da.

Grund zur Zufriedenheit sieht Heinz Leib dennoch nicht. Sorgen bereitet ihm, wie er die Versammlung wissen ließ, vor allem der sich abzeichnende Rückgang des Beitragsaufkommens. Immer mehr Mitglieder überweisen nur noch das, was die Partei als Untergrenze zulässt. Dass der Kassenbericht per Saldo dennoch mit einem positiven Ergebnis abschloss, war auf eiserne Ausgabendisziplin zurückzuführen, die trotz des Kommunalwahlkampfes 2006 offenbar strikt eingehalten wurde. Zuvor schon hatte Gerhard Herberts Sensationserfolg bei der Bürgermeisterwahl im März 2005 sozialdemokratische Herzen höher schlagen lassen. Bei den Roten scheint, wenn man so will, innerparteilich alles im grünen Bereich zu sein.

In ihrem Tätigkeitsbericht hatte die erst seit acht Monaten im Amt befindliche Vorsitzende Ingrid Meister weitgehend darauf verzichtet, der politischen Konkurrenz im Städtchen etwas am Zeug flicken zu wollen. Nur in einer Passage nahm sie CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Fred Schuster aufs Korn, als sie an dessen Aussage erinnerte, nach der sich seine Partei im Bemühen um eigenes Profil schärfer abgrenzen müsse von den Sozialdemokraten. Meister: „Was für ein merkwürdiges Ziel.“ Viel wichtiger sei doch, im Sinne der Bürger vernünftig zusammenzuarbeiten und aus Fehlern, vor denen niemand gefeit sei, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Eine Retourkutsche, mehr nicht.

Ingrid Meister gab Einblick ins Innenleben des Ortsbezirks: Gut besuchte Grillfete, stilvoller Neujahrsempfang, Verbesserung des Informationsflusses, Besuch in Berlin, Referat zur Bleiberechtsregelung, Mitgliederwerbung, Votum für Andrea Ypsilanti als Kandidatin für das Amt des hessischen Ministerpräsidenten.

In Vorbereitung befinde sich ein von Christopher Herbert übernommener Internetauftritt, mit dem erklärten Ziel, die Arbeit der SPD „ausführlich und unverfälscht darzustellen“.

Meisters Bemühungen wurden von der Versammlung mit Beifall honoriert. Stadtverordnete Sonja Guttmann: „Mein Respekt und meine Hochachtung davor, was Du in kurzer Zeit alles geleistet hast.“ Fraktionschef Achim Krüger, vor Meisters Wahl eher skeptisch, legte noch eine Schippe drauf: „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Ich kann nur sagen: Mach weiter so.“

Nach Lage der Dinge kann die derart Gelobte in der Parteihierarchie noch eine Sprosse höher klettern, wenn in acht Wochen beim Ortsverein Neuwahlen anstehen und Jean-Bernd Neumann den Vorsitz abgibt. Gut möglich, dass dann aus der Ortsbezirks- die Ortsvereinsvorsitzende wird.

Bei der Hauptversammlung warf Ingrid Meister mit einer förmlichen Erklärung schon mal ihren Hut in den Ring. Die Verantwortung auf Ortsbezirksebene würde im Falle ihrer Wahl ihr derzeitiger Stellvertreter Ralf Schmidt übernehmen.

Aus dem Starkenburger Echo vom 2.03.2007