Coup des BürgermeistersCoup des Bürgermeisters

Von einem echten Coup des Heppenheimer Bürgermeisters zu sprechen, dürfte nicht übertrieben sein.

Gerhard Herbert, Amtsinhaber und Kandidat der SPD, präsentiert knapp neun Monate vor der Bürgermeisterwahl am 27. März 2011 genau das, was nicht zuletzt die politischen Gegner aus den Reihen von CDU und FDP seit Jahren vehement fordern: Produzierendes und personalintensives Gewerbe statt verkehrsintensiver und wenig Arbeitsplätze produzierender Großlogistiker. Dass die ESM sich so ganz nebenbei noch auf einem der profitabelsten und zukunftsträchtigsten Märkte tummelt und hier mit ihren Patenten und Produkten gar Weltmarktführer ist, darf Herberts Brust noch ein wenig stärker anschwellen lassen.

Dass Herberts Parteifreund und Rimbachs Bürgermeister Hans-Jürgen Pfeifer die Hälfte des Unternehmens in die Kreisstadt ziehen lassen und auf die weitere Expansion in seiner Gemeinde verzichten muss, ist die andere Seite der Medaille – aber Pfeifer muss sich auch erst ein Jahr später als Herbert der Wiederwahl stellen. Für Heppenheims Stadtoberhaupt, der das Geschäft vor zwei Jahren schon eingefädelt hat, bedeutet die Verkündung der guten Nachricht jedenfalls einen schönen Schub in Richtung Joberhalt.Für die Heppenheimer bedeutet die Ansiedlung hingegen, dass man jetzt in einem äußerst zukunftsträchtigen Wirtschaftsbereich den Fuß in der Tür hat, und dies auch, wenn die Geschäfte der ESM einmal nicht mehr so exzellent laufen sollten, wie sie es zurzeit tun. Denn alle Zeichen deuten darauf hin, – und dies nicht erst seit der Katastrophe im Golf von Mexiko – dass erneuerbare Energien auf Dauer Öl wie Atomkraft den Rang ablaufen. Nur konsequent also, wenn Herbert verspricht, ESM bei der Ansiedlung weiterer Firmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energie zu unterstützen. Wenn hierbei weitere qualifizierte und krisensichere Arbeitsplätze entstehen und so ganz nebenbei noch ein wenig Geld über Grundstücksverkäufe in den Stadtsäckel kommt, dann ist das – nach den immer noch geführten Klagen über die Abwanderung von Suzuki, Tchibo oder Jungheinrich – ein Schritt in die richtige Richtung.

Aus dem Starkenburger Echo vom 03.07.2010