Erstes Heppenheimer Jugendforum flopptErstes Heppenheimer Jugendforum floppt

Der Kurfürstensaal bleibt am Dienstag weitestgehend leer. Nur wenige interessieren sich für das Jugendforum. Foto: Sascha Lotz

Die Heppenheimer Jugendlichen hatten am Dienstag die Chance, die Probleme in ihrer Stadt auf den Tisch zu bringen. Doch kaum einer interessierte sich dafür.

Der Satz klang vielversprechend: „Wer sich aktiv an der Jugendpolitik in unserer Kommune beteiligen möchte, der sollte diesen Termin auf jeden Fall nicht verpassen.“ Damit hatte die Stadt Heppenheim für das erste Jugendforum geworben. Dort sollten sich am Dienstag Lokalpolitiker und Jugendliche austauschen. Alleine: Es interessierte sich kaum ein Jugendlicher für diesen Termin. Nach kurzer Zeit wurde es im ziemlich leeren Kurfürstensaal noch leerer.

Schon bei der Vorstellungsrunde hatte sich angedeutet, dass es ein enttäuschender Spätnachmittag werden könnt. Von den 21 anwesenden Personen sitzen neun im Stadtparlament und vier in der Verwaltung. Abzüglich der Vertreter der Jungen Union und Jungen Liberalen blieben am Ende fünf Jugendliche übrig, die zur Zielgruppe zählten. Drei davon, Bashar (16), Tirez (13) und Shireen (12), verließen die Veranstaltung nach 45 Minuten vorzeitig. „Wir hatten uns das anders vorgestellt“, sagte Bashar. Das Urteil der drei Martin-Buber-Schüler fiel vernichtend aus: „Es war langweilig“, sagten sie. „Wir haben nicht viel verstanden.“

Eingeladen hatte die Stadt Heppenheim auf Grundlage eines Beschlusses im Stadtparlament. Ziel war es, Heppenheimer Jugendliche zwischen 13 und 27 Jahren zu Wort kommen zu lassen. Die Moderation hatten Alexander Mack und Hanne Kleinemas vom Haus am Maiberg übernommen. Doch nach den Spielen zu Beginn des Workshops dünnte sich das Teilnehmerfeld schnell aus. Einer nach dem anderen verließ den Saal mit dem Hinweis auf Folgetermine, sodass nach einer knappen Stunde nur noch acht Leute im Stuhlkreis Platz nahmen und über Politik diskutierten. Bashar, Tirez und Shireen waren da schon weg.

„Es war ein erster Versuch“, meinte Nadja Rohacek, die für die Stadtjugendpflege vor Ort war. Und auch ihr Kollege Arik Beer übte sich in Zweckoptimismus: „Man fängt immer klein an.“ Manchmal sei es besser, mit wenigen gut zu arbeiten als mit vielen schlecht. Tatsächlich habe die Diskussion in überschaubarer Runde etwas gebracht, sagte Moderator Alexander Mack am Tag danach. Als Ergebnis nahm er mit, dass man sich einen Jugendbeirat sowie jugendgerechtere Orte im Zentrum wünsche. „Wir haben lange diskutiert“, so Mack.

Allerdings ohne die meisten Stadtverordneten. Die zeigten sich enttäuscht ob der schwachen Resonanz. „Es wäre schön gewesen zu hören, was Heppenheimer Jugendliche bewegt“, sagte Thomas Eck (SPD). Kerstin Buchner von den Freien Wählern meinte: „Es ist schade, dass so es schlecht angenommen wurde.“ „Ich hätte auch mehr Jugendliche erwartet“, sagte Ulrike Janßen (WG LIZ), die sich eher an eine Teambuilding-Maßnahme für die Mitglieder des Sozial-, Kultur- und Sportausschusses erinnert fühlte. Es sei zu sehr um Politik gegangen, „und nicht um das, was Jugendliche in Heppenheim bewegt.“ Und Christopher Hörst (FDP) kritisierte den Termin am späten Dienstagnachmittag. „Freitags während der Unterrichtszeit wäre vielleicht besser gewesen“, spielte er auf die „Fridays-For-Future“-Demos an.

Der Begriff Politik erzeuge bei vielen eine Abwehrhaltung, glaubt Stadtjugendpfleger Arik Beer, „das verbinden sie mit Schule“. An fehlender Werbung könne es nicht gelegen haben. Flyer und Plakate wurden verteilt, die Schulleitungen informiert und die Veranstaltung über Presse und Facebook beworben. Doch außer Bashar, Tirez und Shireen sprang kaum einer darauf an.

Auch Alexander Mack hätte sich gewünscht, dass mehr gekommen wären. „Es gab andere Konzepte. Jugendgerechtere Varianten“, meinte der Referent für politische Jugendbildung am Haus am Maiberg. Foodtrucks, Musik oder ein Poetry Slam hätte das Forum aufwerten können. Immerhin: Am Ende einigten sich die wenigen Gebliebenen darauf, ein zweites Jugendforum anzugehen – und es auch mitzuorganisieren. Mehr Optimismus legte nur Bürgermeister Rainer Burelbach an den Tag: „Wenn sich die Zahl von heute jedes Mal verdoppelt, reicht der Kurfürstensaal irgendwann nicht mehr aus.“ Doch mit dieser Einschätzung stand er am Dienstag ziemlich alleine da.

Aus dem Starkenburger Echo vom 23.05.2019