In den Stadtteilen viele ohne ParteibuchIn den Stadtteilen viele ohne Parteibuch

Kommunalwahl: Heppenheimer SPD beschnuppert ihre neuen Kandidaten – Ziel ist es, stärkste Fraktion zu werden

Es war ein Abend mit relativ offener Tagesordnung, bei dem das Kennenlernen im Vordergrund stand. Die Heppenheimer SPD hatte am Dienstag in den »Balkangrill« (»Zum Ochsen«) eingeladen, damit sich vor allem die neuen Kandidaten für die Kommunalwahl am 27. März vorstellen können. Beschnuppert werden konnten die sozialdemokratischen Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung sowie für die sieben Ortsbeiräte der Stadtteile.

Die Idee zu der Veranstaltung hatte Sonja Guttmann. Kennenlernen war schon deshalb ein Anliegen, weil auf den Listen der SPD relativ viele Nichtmitglieder kandidieren. Vor allem für die Ortsbeiräte treten viele Kandidaten ohne Parteibuch an, was Arne Pfeilsticker, den Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins, einerseits freute. Andererseits scherzte er: »Die Aufnahmesperre ist aufgehoben.« Ein augenzwinkernder Appell, sich doch der ältesten Partei Deutschlands anzuschließen.

Einige der parteilosen Kandidaten wurden von Bürgermeister Gerhard Herbert persönlich angesprochen und zur Kandidatur animiert. Dazu gehört Wolfgang Hammer, der einzige SPD-Kandidat für den Stadtteil Erbach. Der gebürtige Österreicher bezeichnet sich selbst als »Neuling in der Politik«. Auch Matis Windolf (Ober-Laudenbach) war vom Rathauschef animiert worden. Raimund Kissel, technischer Leiter der Odenwaldschule, wurde von Hambachs Ortsvorsteherin Renate Netzer für die Sozialdemokraten ins Boot geholt.

Spitzenkandidaten: Die Heppenheimer SPD geht mit vielen „Neuen“ in die Kommunalwahl, doch an der Spitze der Liste für die Stadtverordnetenversammlung stehen bekannte Genossen (von links): Stadtrat Helmut Bechtel, Maria Müller-Holtz, Jean Bernd Neumann, Fraktionsvorsitzende Gabriele Kurz-Ensinger und Andrea Pfeilsticker. Foto: Karl-Heinz Köppner

Netzer hofft, für eine zweite Amtsperiode zur Ortsvorsteherin gewählt zu werden. »Ich möchte angefangene Projekte zu Ende bringen«, erläuterte die engagierte Ober-Hambacherin. Um die zeitliche Belastung zu verringern, tritt sie allerdings nicht mehr für die Stadtverordnetenversammlung an. Renate Netzer leitete die zurückliegenden fünf Jahre den Sozial-, Kultur- und Sportausschuss. »Jetzt will ich nur noch eine Sache machen, aber die um so richtiger«, so ihre Begründung am Dienstagabend.

Die SPD stellt zwei Ortsvorsteherinnen: Neben Netzer steht Gabi Pfeifer seit zehn Jahren dem Ortsbeirat von Mittershausen-Scheuerberg vor.

Monika Wurster war früher schon für die Heppenheimer SPD aktiv, zog später aber nach Bensheim – und ist nun wieder zurück an alter Wirkungsstätte. Thomas Eck ist 19 Jahre jung und seit einem Jahr SPD-Mitglied. Er kandidiert auf Platz 15 für das Stadtparlament. Thomas Eck ist nicht verwandt mit dem Stadtverordneten Michael Eck.

Neu auf dieser Liste, aber vertraut mit den Themen, ist Paul Oravecz. Der engagierte Sportler ist nicht nur Vorsitzender des FC Sportfreunde Heppenheim sondern steht auch dem Sozialverband VdK vor; er kennt die Sozialpolitik also aus der Praxis.

Neben den vielen Neuen gehören natürlich »alte Haudegen« zu den Kandidaten. Die ersten neun Plätze für die Stadtverordnetenversammlung sind besetzt mit erfahrenen Stadtverordneten oder Stadträten. Spitzenkandidatin ist die Fraktionsvorsitzende Gabriele Kurz-Ensinger (das ECHO hatte berichtet).

Kurz-Ensinger berichtete, vor fünf Jahren habe sie noch geglaubt, in der Stadtverordnetenversammlung könne wie in den Ortsbeiräten »an einem Strang gezogen werden«. Doch dem sei leider nicht so. Gleichwohl hätte man in der Legislaturperiode einiges verwirklichen und anstoßen können.

So gebe es endlich einen Seniorenbeirat, und dass es keinen Ortsbeirat Heppenheim-Mitte gebe, liege wohl nur daran, »dass es ein SPD-Antrag war«. Das »Haus der Jugend« (altes Katasteramt) mit dem Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren sei in Betrieb und bereits ausgebucht, der »Halbe Mond« werde bald in wieder seinen Betrieb aufnehmen. Das Daumsche Areal wurde nach vielen Jahren als »Schandfleck« endlich bebaut (Senioren-Residenz Sankt Katharina). Jean Bernd Neumann ergänzte, dass es gelungen sei, das Amt für Bodenmanagement in die Kreisstadt zu holen und einen Wegzug der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zu verhindern. Gleiches gelte für KLN. Auf diese Weise seien Arbeitsplätze in der Stadt erhalten geblieben.

Das Ziel für die SPD ist daher kein bescheidenes: stärkste Fraktion werden.

Aus dem Starkenburger Echo vom 03.11.2010