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VON JÜRGEN REINHARDT

Alea iacta est, hätte Peter Stöcker (FDP), der seine Abrechnung mit dem Bürgermeister durch allerlei Zitate aus dem Lateinischen anreicherte, noch hinzufügen können: Der Würfel ist gefallen. Zugunsten der Rewe-Handelsgruppe nämlich und zur Überraschung der Stadtverordneten, die zur Sondersitzung zusammen gekommen waren, um genau dies erst einmal zu verhindern. Nicht so sehr, weil sie etwas gegen einen schönen, neuen ToomMarkt hätten, sondern weil ihnen das von Bürgermeister Ulrich Obermayr (CDU) betriebene Verfahren Bauchgrimmen bereitet.
Hatte der doch mal der einen (Rewe), mal der anderen (Kaufland) Seite Hoffnungen – und im Fall von Kaufland am 28. Oktober sogar eine schriftlich fixierte Zusage — gemacht. Was für nicht unbeträchtliches Chaos gesorgt hat. Ob Obermayr, wie von seinen Kritikern unterstellt, die Angelegenheit schlicht entglitten ist, oder ob er, wie man auch vermuten könnte, hier einen Bewerber gegen den anderen ausgespielt hat, um ein Optimum für die Stadt herauszuholen, wird man vermutlich nie erfahren. Sicher ist, dass noch vor Jahresende über sieben Millionen Euro im leeren Stadtsäckel landen und über kurz oder lang ein neuer Toom-Markt auf dem "Bergweiler-Grundstück" entsteht.
SPD, FDP und FWHPINI sind an der CDU – auch wenn es in deren Reihen manchen gejuckt hat, die Hand zu heben –  gescheitert, als es darum ging, die Grundstücksgeschäfte zurück ins Parlament zu holen. Was nicht schlecht sein muss: Dass Geschäfte schneller abgewickelt werden, wenn statt neun Magistratsmitgliedern 37 Stadtverordnete aus fünf Parteien entscheiden, erscheint wenig logisch. Inder CDU, war gestern zu hören, gibt es Pläne für eine "Grundstücksverwertungsgesellschaft" nach dem durchaus erfolgreichen Bensheimer Modell. In Anbetracht der Tatsache, dass Heppenheims hochdefizitäre Haushalte in den kommenden Jahren wohl nur noch über den Verkauf städtischen Geländes zu retten sind, wäre die nicht nur von der CDU gewollte Einschaltung von Profis nicht der schlechteste Schritt.