Wohnraum für mehr als 600 MenschenWohnraum für mehr als 600 Menschen

Die auf den Straßen postierten Betonröhren dienen als Platzhalter für Bäume, die an diesen Stellen später gepflanzt werden sollen. Foto: Sascha Lotz

In Heppenheims Nordstadt II beginnen die Erdarbeiten, das neue Stadtviertel nimmt langsam Gestalt an.

Verbot hin, gesperrt her: Sogar Autos sind bereits zu beobachten, die die vor Kurzem erst asphaltierten Straßen in Heppenheims Nordstadt II befahren. Vielleicht Bauherren, die sich schon einmal in ihre künftige Wohnstatt hineinträumen wollen, vielleicht aber auch Bewohner der alten Nordstadt, die sich die ampelgesteuerte Kreuzung B3/Bürgermeister-Kunz-Straße ersparen wollen. Wie dem auch sei: Das neue Stadtviertel, soviel wird von Tag zu Tag deutlicher, wird Realität, das Stück Landschaft mit seinen Wiesen, Äckern und Obstbäumen, das hier bis vor wenigen Monaten noch den Norden Heppenheims begrenzte, ist definitiv Vergangenheit. Wovon im Übrigen auch erste Erdarbeiten zeugen, die im Westteil des Neubaugebiets für den Bau von mehreren Mehrfamilienhäusern laufen. Hier hat eine Projektgesellschaft der LIG Unternehmensgruppe begonnen, unter dem Projektnamen „Parkquartier Heppenheim“ sieben Mehrfamilienhäuser hochzuziehen.

Nach Angaben von LIG-Sprecher Jan Khalid Abdelfatah wird das Ensemble aus zwei Gebäudegruppen bestehen, einmal drei, zum anderen vier Mehrfamilienhäuser. Beide Gebäudegruppen werden unterkellert und erhalten jeweils eine Tiefgarage. Insgesamt 85 Stellplätze werden zur Verfügung stehen, außerdem wird es Kellerabteile für die Wohnungen geben.

56 Zwei- bis Dreizimmerwohnungen sollen in den nächsten zwei Jahren entstehen, die bereits an einen Investor verkauft sind, der diese Wohnungen dann zur Miete anbieten wird. Wie viel Geld in das Projekt gesteckt wird, will Abdelfatah nicht beziffern. Für ihn und seine Gruppe ist es im Übrigen nicht das erste Projekt in Heppenheim: Auf der Westseite des Parkhofs steht seit geraumer Zeit das sogenannte Stadtpalais, außerdem hat man das benachbarte, an der B3 stehende Fachwerkhaus gekauft, will es für Wohnzwecke sanieren. Und sollte es weitere Investitionsmöglichkeiten in der Kreisstadt geben: „Wir haben durchaus Interesse, weitere Projekte anzupacken.“

Aber die LIG-Bau ist nicht das einzige Unternehmen, das sich vor Ort engagiert. Für die zwischen ihren Mehrfamilienhäusern und Bahndamm gelegenen Flächen gibt es schon einen Vorvertrag mit der Stadt. Hier sollen Reihenhäuser entstehen. Aber auch die ersten privaten Bauherren dürften in den nächsten Wochen loslegen. Heppenheims Erste Stadträtin Christine Bender (SPD): „Seit dem 1. Juli kann hier jeder, der bauen will, bauen.“ Vorausgesetzt natürlich, ihm gehört das Grundstück, ein Bauantrag ist gestellt und positiv beschieden.

Auch sonst ist der Boden weitgehend präpariert für den neuen Stadtteil. Die Straßen und Bürgersteige sind asphaltiert (die Nebenstraßen allerdings zunächst nur als Baustraßen ausgeführt; wenn die Häuser stehen, werden diese Flächen mit Pflaster versehen), die Straßenlaternen stehen, Strom-, Wasser-, Abwasser- und sonstige Leitungen sind verlegt. Rätsel geben manchem die auf den Straßen postierten und mit Erde gefüllten großen Betonröhren – die als Platzhalter für Bäume dienen, die an diesen Stellen später gepflanzt werden sollen.

Fertiggestellt ist auch die Lärmschutzwand entlang der B3. Das Grün, das hier bereits herauswächst, ist allerdings nicht das Grün, das die Wand am Ende zieren soll. Bepflanzt wird die Fläche nämlich erst im Herbst, was jetzt zu sehen ist, ist lediglich Unkraut, das dann verschwinden soll.

Das Baugebiet Nordstadt II wird von der Terramag entwickelt und bietet Wohnraum für mehr als 600 Menschen in gut 300 Wohneinheiten – und dies in unmittelbarer Nachbarschaft zur bestehenden Nordstadt I. Wer eines der stadteigenen Grundstücke erwerben wollte, musste sich übrigens an einem Losverfahren beteiligen, um an einen der zunächst 60 Bauplätze zu kommen. Anstelle der sonst fälligen Quadratmeterpreise bis zu 600 Euro bei privaten Anbietern bescheidet sich die Stadt, die bei der Vergabe allerdings auch soziale Kriterien berücksichtigt, mit 392 Euro.

Aus dem Starkenburger Echo vom 22.07.2019