Einig bei Windkraft, uneinig bei EuropaplatzEinig bei Windkraft, uneinig bei Europaplatz

Wahlkampf: Engagiertes Gespräch bei »SPD Heppenheim im Dialog« zum Thema Umweltschutz und alternative Energie

Bei der fünften Gesprächsrunde der Reihe »SPD Heppenheim im Dialog« ging es um die Themen Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie um Landschaftspflege. Bei der Benennung spezieller Heppenheimer »Problemzonen« waren sich die Teilnehmer fast einig. Vor allem standen bei dem vom Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Arne Pfeilsticker und vom Stadtverordneten Jean Bernd Neumann moderierten engagierten Meinungsaustausch die Themen Umgestaltung des Schlossbergs, Verkehrsbelastung der Innenstadt sowie alternative Energien mit geeigneten Standorten für Windkraftanlagen im Mittelpunkt. Auch der im Stadtgebiet durch neue Baugebiete immer weiter zurückgedrängte »Grüngürtel« vom Bruchsee zum Jochimsee und der nach Auffassung der Agenda 21 nicht ausreichend mit Bäumen bepflanzte Europaplatz wurden thematisiert. Allerdings kamen die Diskussionsteilnehmer – unter anderen Vertreter des Naturschutzbunds (Nabu), BUND, der Agenda 21, der Kleinbauern und des Ziegenzüchtervereins zu unterschiedlichen Bewertungen von Lösungen.Einmütigkeit herrschte darüber, dass die Anwohner der Siegfriedstraße durch das hohe Verkehrsaufkommen der B 460, insbesondere den ungebremsten Lastwagenverkehr, erhebliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität erleiden. Ein »Tunnel unter dem Maiberg«, wie er von der Bürgerinitiative LIZ ins Gespräch gebracht wird, wurde allerdings als »utopisch« – in absehbarer Zeit nicht realisierbar – aber auch als Verlagerung des Problems auf andere Stadtteile verworfen. Mögliche Entlastungen durch einen neuen Autobahn-Südanschluss oder eine westliche Entlastungsstraße zur Tiergartenstraße parallel zur Autobahn lehnt vor allem der Nabu entschieden ab. Dies wäre der Einstieg in eine aus Landschaftsschutzgründen unerwünschte Schnellstraße entlang der A 5 in Richtung Laudenbach, befürchtet der Nabu. Die Stadt Heppenheim solle aber durchsetzen, dass nicht jede Umleitung für Schwerlastverkehr in den Engpass Siegfriedstraße dirigiert werde – zum Beispiel wenn der Saukopf-Tunnel geschlossen oder die Juhöhe gesperrt ist. »Warum schickt man die nicht nach Birkenau?«, wurde gefragt. Bedauert wurde zudem, dass es in vielen Jahren nicht einmal gelungen sei, den »Postknoten« mit einer »Durchbruchlösung« zu entschärfen. Kontrovers war das Urteil über den Europaplatz. Von den einen als hässliche Schotterwüste, Riesen-Hundeklo und »Beleidigung fürs Auge« kritisiert, bezeichnete ein Nabu-Sprecher »den Platz wie er ist« als ideales Umfeld für die seltene Vogelart Flussregenpfeifer. Auch bezüglich der Flurbereinigung am Schlossberg gab der Nabu-Vertreter zu bedenken, dass es dort vor allem wichtig sei, unbewaldete Flächen zu erhalten. »Es geht nicht immer darum, jeden Baum zu retten. Das größere Problem sind brachliegende Grundstücke.« Für den umstrittenen Ausbau der Wege auf 3,50 Meter Breite wurden Haftungsgründe als Erklärung genannt. Beim Thema Windräder herrschte große Einmütigkeit bei den Anwesenden, dass – vorausgesetzt offene Fragen der Belastung von Umwelt und Anwohnern könnten zufriedenstellend geklärt werden – einer Ausweisung von städtische Arealen dafür nichts entgegenstehe. Die Ästhetik des Landschaftsbildes sei kein entscheidendes Kriterium. Verwiesen wurde auf die Notwendigkeit, durch ortsnahe Produktion in lokaler Kontrolle unabhängiger von den Energiekonzernen zu werden. Durch die Ansiedlung der »Weltfirma« Mitsch sei es nötig, moderne Demonstrations-Anlagen in erreichbarer Nähe zu haben. Die SPD-Stadtverordnete Gabriele Kurz-Ensinger informierte über Pläne des ZAKB, westlich der Autobahn eine Biogas-Anlage zu bauen, wo der anfallende Biomüll – jährlich 30 000 Tonnen – verarbeitet werden soll. Befürchtungen des Nabu, Biogas-Erzeugung führe automatisch zu mehr ökologisch unerwünschtem Maisanbau träfen nicht zu. Übereinstimmung herrschte, dass wegen der demografischen Entwicklung im Kreis nicht mit einem Wachstum der Bevölkerung zu rechnen sei und deshalb auch keinen neuen Wohnbaugebiete nötig seien. Um die Probleme künftig besser und nachhaltiger beheben zu können, forderte der Nabu-Sprecher die Gründung eines regional zuständigen Landschaftspflege-Verbandes unter Beteiligung aller Kommunen und engagierter Vereine und Gruppen. Denn oft würden die Probleme beispielsweise durch Straßenbau nur von einem Ort an den anderen weitergereicht.

 Aus dem Starkenburger Echo vom 02.10.2010