SPD-Fraktionschefin fordert mehr bezahlbaren WohnraumSPD-Fraktionschefin fordert mehr bezahlbaren Wohnraum

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Pfeilsticker arbeitet dort, wo einst Justus Liebig wirkte: in den Räumen der alten Apotheke. Foto: S. Lotz

Im Heppenheimer Stadtparlament ist Andrea Pfeilsticker eher zurückhaltend. Dennoch sagt sie: „Es brodelt sehr oft in mir.“

Das Haus mit der Adresse Großer Markt 5 liegt im Herzen Heppenheims. Hier, in der alten Apotheke, hat einst Justus Liebig gewirkt. Heute hat die Fraktionsvorsitzende der Heppenheimer SPD, Andrea Pfeilsticker, dort ihre Kanzlei.

Wie arbeitet es sich in der Altstadt?

Sehr gut. Es gibt keinerlei Einschränkungen. Wir sind bewusst hierhergegangen. Auch zum Parken gibt es genügend Möglichkeiten.

Wo parken Sie?

Ich habe einen Altstadtausweis und darf hier parken. Meine Angestellten nutzen größtenteils die Tiefgaragenplätze.

Wie beurteilen Sie die Parksituation in Heppenheim?

Meiner Meinung nach haben wir genug Parkflächen. Der Parkhof muss vernünftig hergerichtet werden, was jetzt umgesetzt wird. Es wäre außerdem schön, wenn sich etwas in der Siegfriedstraße tun würde. Wir könnten uns ein Parkhaus vorstellen, wissen aber, dass es schwer zu realisieren ist.

ZUR PERSON


Andrea Pfeilsticker ist 63 Jahre alt und als Rechtsanwältin und Notarin tätig. Die Fraktionsvorsitzende der SPD wohnt in Sonderbach, ist verwitwet und hat drei Kinder. In ihrer Freizeit spielt sie Tischtennis. (reb)


Alternativ könnte man den Stadtbus nutzen, um in die Innenstadt zu kommen. Das machen nur sehr wenige.

Der Stadtbus ist uns schon immer ein großes Anliegen gewesen. Wir sind froh, dass der Fahrpreis sich reduziert. Dadurch wird er vielleicht besser angenommen. Die Zahlen zeigen, dass es sukzessive aufwärts geht.

Warum fahren so wenige mit dem Stadtbus?

Ich nehme an, aus Bequemlichkeit. Noch kann man ja überall mit dem Auto hinkommen.

Der Stadtbus kostet auch die Stadt Geld. Lohnt sich das?

Aus meiner Sicht auf jeden Fall, weil er insbesondere von älteren Menschen genutzt wird. Durch die demografische Entwicklung gibt es immer mehr alte Leute.

Statt 2,10 kostet eine einfache Fahrt nur noch 1,70 Euro. Reicht Ihnen das?

Das darf gerne noch weiter nach unten gehen.

Wie weit?

Grundsätzlich wäre ein kostenloser Stadtbus toll, aber das wird sich in Anbetracht der städtischen Finanzen nicht umsetzen lassen. Mit Zuschüssen von Land und Bund könnte er aber noch billiger werden.

Soziale Gerechtigkeit ist das Stichwort der SPD. Wie steht es um die soziale Gerechtigkeit in Heppenheim?

Wir hatten uns schon vor vielen Jahren für bezahlbaren Wohnraum eingesetzt. Damals waren wir aber leider in der Opposition, und unsere Vorschläge für mehr Mehrfamilienhäuser im Baugebiet Nordstadt II wurden nicht berücksichtigt. Das ist sehr schade. Jetzt sind wir in der Koalition und bemüht, das Mögliche umzusetzen.

Wo sollte bezahlbarer Wohnraum entstehen?

Bis etwas in der Alten Kaute passiert, dauert es leider noch sehr lange. Aber es gibt jetzt schon Flächen, wo man etwas tun kann. Da die Stadt selbst kein Bauherr ist, sind wir auf Investoren angewiesen. Wir haben auf das Gebäude der Wohnbau Bergstraße eG gehofft.

Sie meinen das Doppelhochhaus in der Mozartstraße auf dem ehemaligen Gelände der Casa Europa.

Ich nenne es mal das Hochhaus, weil der Vorschlag aufgrund der Höhe und Wucht des Hauses für Entsetzen bei der unmittelbaren Nachbarschaft gesorgt hat. Grundsätzlich bietet sich die Fläche aber für bezahlbaren Wohnraum an.

Haben die Pläne auch bei Ihnen für Entsetzen gesorgt?

18 Stockwerke sind schon sehr heftig, wenn man es mit den Häusern in der Gießener Straße vergleicht. Dass es hoch sein muss, ist klar, aber man muss mit der Wohnbau Bergstraße noch einmal ins Gespräch treten. Zwölf Stockwerke wären akzeptabel.

Täuscht der Eindruck, dass CDU und SPD im Stadtparlament eher zurückhaltend agieren?

Sagen wir so: Wir harmonisieren gut. Deshalb macht es einen ruhigen Eindruck. Aber es wird ja sehr viel umgesetzt: der Neubau der Nibelungenhalle, das neue Stadthaus, der Kurmainzer Amtshof, der Parkhof und die Fußgängerzone – das waren alles Ziele im Wahlkampf. Deshalb brauchen wir keine weiteren großen Anträge zu stellen.

Dennoch wird dort oft gestritten und gepoltert. Sie als Fraktionsvorsitzende halten sich oft raus. Warum?

Das ist meine Art.

Brodelt es nicht in Ihnen?

Es brodelt sehr oft in mir. Aber ich bin der Meinung, man sollte versuchen, ruhig an die Dinge heranzugehen. Es gibt viele unsachliche Einwürfe, Argumente und Stellungnahmen – da muss man nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Was macht Heppenheim aus?

Die vielen Angebote, die es gibt. Der Freizeitwert in Heppenheim ist groß. Wir haben den Bruchsee, den Vogelpark, das Grün der Weinberge, viele Feste, die Oase für die Jugendlichen.

Die jungen Erwachsenen haben seit diesem Sommer eine Anlaufstelle weniger: Der Apfelbaum hat zugemacht. Gut oder schlecht?

Für die Betroffenen schlecht. Ich würde mich freuen, wenn sich ein Betreiber fände – das Einzugsgebiet ist eigentlich groß genug. Die Frage ist nur, wie man mit den Auflagen umgeht. Ganz ins Blaue gesprochen, könnte ich mir vorstellen, den Amtshof nach seiner Sanierung für Abi-Feiern zur Verfügung zu stellen.

Die Sanierung des Amtshofes wird Heppenheim in den nächsten Jahren sowieso beschäftigen.

Die Pläne sehen vielversprechend aus. Das wird eine große Bereicherung für Heppenheim.

Im Gewerbegebiet Süd würde sich gerne die Drogeriekette dm ansiedeln. Doch es gibt Schwierigkeiten.

Es liegt an der planerischen Umsetzung, nicht am Willen der Stadt. Der Markt würde Heppenheim auf jeden Fall bereichern.

Innenstadthändler befürchten, dass die Kaufkraft abgezogen würde.

Das sehe ich nicht so. Es gibt die Leute, die in der Innenstadt einkaufen oder auf der grünen Wiese. Und es gibt solche, die beides tun – dazu gehöre unter anderem ich.

Wo gehen Sie hin, wenn Sie mal schnell eine Packung Kekse für ihre Kanzlei brauchen?

Dann gehen wir zur Drogerie Müller.

Aber nur, weil es keinen Supermarkt in der Innenstadt gibt…

Das war immer unser Wunsch. Es ist bislang daran gescheitert, dass eine gewisse Größe gebraucht wird. Auf dem Parkhof käme wohl nur eine Hochgarage in Betracht – und das wird eine teure Sache. Aber es gibt andere Möglichkeiten: Warum nicht einen Nahversorger als Randbebauung auf dem Parkhof?

Das Interview führte Matthias Rebsch.

Aus dem Starkenburger Echo vom 08.08.2019