Streetworker, Jugendarbeit und Drogen am BahnhofStreetworker, Jugendarbeit und Drogen am Bahnhof

Stadtparlament: Diskussion dreht sich im Kreis – „Arbeit der Jugendpflege überprüfen“

HEPPENHEIM. Die Bereitstellung von 50 000 Euro für einen Streetworker war auch im zweiten Anlauf Voraussetzung für die SPD, dem Haushaltsplan 2008 zuzustimmen. Für das Geld, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzende Gabriele Kurz-Ensinger, würde das Diakonische Werk Personal und Räume für die sogenannte „aufsuchende Sozialarbeit“ zur Verfügung stellen.

„Heppenheim ist kein Klein-Manhattan, aber auch keine Insel der Glückseligen“, führte Kurz-Ensinger aus. In Teilen der Weststadt gebe es ebenso wie in der Innenstadt Brennpunkte, im Bahnhofsumfeld hat sie eine Drogenproblematik ausgemacht: „Ohne Verankerung dieser (Streetworker-)Stelle gibt es von uns keine Zustimmung.“

Ihr Fraktionskollege Edgar Reiners schilderte Begebenheiten am Bahnhof, wo sich rivalisierende Jugendcliquen „mit Messern in den Taschen gegenüberstehen“ und von der Polizei auseinander gehalten werden müssten. Da sei es natürlich bereits zu spät für einen Streetworker, doch müsse man sich fragen, warum solche Gruppierungen überhaupt entstehen. Reiners: „Offenbar hat der bisherige Weg nichts gebracht.“ Die Stadtjugendpflege erreiche diese Jugendlichen nicht.

Für Benjamin Kramer (FDP) ist der SPD-Antrag „reiner Populismus “. Er erinnerte an die Überfallserie am Bensheimer Bahnhof Ende 2006. Dort hätten sich Jugendgangs zusammengerauft – obwohl es in Bensheim einen Streetworker gibt. Kramer: „Die haben einfach nicht mit ihm gesprochen.“

Auch Hans-Peter Falter (CDU) wiederholte, dass seine Fraktion diesem Antrag nicht zustimmen werde. Falter sah keine Notwendigkeit: „Bisher hat niemand, weder Stadtjugendpflege, Sozialamt noch Polizei, eine solche Forderung erhoben.“

Stefan Kunz (FWHPINI) ärgerte sich über „eine unsachliche Diskussion“. Er könne nicht guten Gewissens sagen, ob eine solche Stelle notwendig und sinnvoll sei. Dies müsse geprüft werden. Aber die Fraktionen von CDU und SPD hätten sich in ihren jeweiligen Standpunkten festgebissen: „Ich würde gerne konstruktiv Politik machen und jetzt muss ich den Grabenkämpfen der ,Großen‘ zugucken.“ An die SPD gerichtet sagte Kunz: „Sie müssen auch Mehrheiten organisieren.“

Peter Müller (Grüne) erinnerte daran, dass es frühere Jugendeinrichtungen nicht mehr gibt. Aus dem Jugendcafé „B 3“ (heute „Havanna-Club“) sei eine „ganz gewöhnliche Kneipe“ geworden, die Stadtjugendpflege müsse mit weniger Personal auskommen.

Ein Antrag der GLH, von externer Seite prüfen zu lassen, wie die Arbeit der Stadtjugendpflege verbessert und erweitert werden könnte, wurde einstimmig angenommen.

Auch die dafür vorgesehenen 10 000 Euro wurden in den Haushaltsplan eingestellt – der dann allerdings als Gesamtpaket mehrheitlich abgelehnt wurde.

Aus dem Starkenburger Echo vom 9.02.2008