Kämpfen wie die HessenKämpfen wie die Hessen

Landtagswahlkampf: SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zur politischen Weinprobe im Heppenheimer Vereinshaus

HEPPENHEIM. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sangen die sechs Birkenauer „Rotkehlchen“ zur Begrüßung der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti, als diese am Freitag kurz nach 19 Uhr in den Saal des Heppenheimer Vereinshauses kam. In der heißen Phase des Landtagswahlkampfs nahmen sich die Bergsträßer Sozialdemokraten Zeit für eine Weinprobe. Wein und Gesang drängten die Politik allerdings nicht in den Hintergrund, denn Andrea Ypsilanti appellierte an ihre Parteifreunde und Sympathisanten, in den nächsten 14 Tagen alles daran zu setzen, dass es in Hessen zu einem Regierungswechsel kommt.

In einer Art Heimspiel wurde sie von den Bergsträßer Landtagsabgeordneten Norbert Schmitt (Heppenheim) und Karin Hartmann (Grasellenbach) sowie der Bundestagsabgeordneten und SPD-Kreisvorsitzenden Christine Lambrecht unterstützt. Schmitt ist in Ypsilantis Schattenkabinett als Leiter der Staatskanzlei vorgesehen, Hartmann gilt als Architektin für das „Haus der Bildung“.

150 Gäste waren in den Saal gekommen, und sie erlebten eine Parteivorsitzende, die mit Elan und Optimismus ihre Grundsätze darlegte. Bildung, Energie und soziale Gerechtigkeit – das sind die Themen, mit denen sie dem amtierenden Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) Paroli bietet. Sie werde wie die Hessen-Löwin kämpfen, sagte sie – elegant, doch wenn es sein muss, auch die Tatzen ausfahren.

„Wir können und müssen auch im Wahlkampf über Jugendkriminalität diskutieren, aber nicht, um die Gesellschaft zu spalten“. Mit diesen Worten widersprach die Politikerin der Darstellung der CDU, die SPD habe das Thema zum Tabu erklärt. „Die SPD hat es nicht nötig, Wahlkampf mit der Angst zu führen, wir führen Wahlkampf mit der Hoffnung“, so die Spitzenkandidatin, die in den vergangenen Wochen nicht nur in den Meinungsumfragen, sondern auch in ihrer Rhetorik gegenüber dem amtierenden Ministerpräsidenten aufgeholt hat. Ähnlich wie Koch am Vorabend im Bensheimer Kolpinghaus wurde die Rede von Ypsilanti in Heppenheim immer wieder von Beifall unterbrochen. Und so wie die Junge Union im Wahlkampfkonzept der CDU eine entscheidende Rolle spielt, unterstützen die Jusos nicht nur am Freitag in ihren roten T-Shirts mit dem aufgedruckten Y ihr Idol.

Auch im Vereinshaus trug Andrea Ypsilanti den Kernsatz aus dem Bildungskonzept vor, nachdem kein Kind im Schulsystem verloren gehen dürfe. „Jeder muss eine Chance haben“, sagte sie. Wiederholt wurde auch das Wahlversprechen, nach einem Sieg die Studiengebühren abzuschaffen, doch das Thema G 8 ließ sie aus. Im Publikum saßen Mitglieder des frisch gewählte Kreiselternbeirats.

Ebenso wie Roland Koch am Abend zuvor forderte Andrea Ypsilanti ihre Anhänger dazu auf, im Familienkreis, am Arbeitsplatz und im Verein die Menschen bis zum 27. Januar zu mobilisieren. „Die Ausrede, ich gehe nicht zur Wahl, weil die Parteien nicht zu unterscheiden sind, die gilt diesmal nicht“, sagte sie, bevor der Bergsträßer Wein eingeschenkt wurde, der besonders rein sein soll.

Aus dem Starkenburger Echo vom 12.01.2007